aal.jpg (10726 Byte) Der Aal (Anguilla anguilla) ist ein erstaunlich anpassungsfähige Tier. Er lebt im Meer, im Brackwasser und im Süßwasser, stellenweise in sehr hoch gelegenen Forellenflüssen. Tagsüber sucht er immer in Verstecken Schutz vorm Tageslicht, erst nachts wird er aktiv und schwärmt auf Nahrungssuche aus. Der Aal wurde bei den durchgeführten Datenerhebungen in 85 untersuchten Gewässern in Berlin nachgewiesen. Ohne Besatzmaßnahmen wären die Bestände des Aals in Berlin gefährdet oder erloschen.
Der Karpfen (Cyprinus carpio) ist heute dank der von den Engländern entwickelten modernen Karpfentechniken zum wahren Kultfisch avanciert. Karpfenangler haben ihre eigene Ethik .die Fische werden ausnahmslos zurückgesetzt-, sowie ihre eigene Sprache, spezielle Köder und Montagen. Karpfen leben in unseren Breiten zahlreich, es gibt sie nahezu in jedem Fluss, See und Weiher. Der Karpfen gehört in Berlin zu den eingebürgerten Fischarten und wurde bei den durchgeführten Datenerhebungen in 74 untersuchten Gewässern in Berlin nachgewiesen. Als Angel- und Speisefisch wird er besonders in die fischereilich bewirtschafteten Gewässer eingesetzt.
Die Plötze (Rutilus rutilus) , auch Rotauge genannt, wurde bei den durchgeführten Datenerhebungen in 102 untersuchten Gewässern in Berlin nachgewiesen. Sie ist damit die häufigste einheimische Fischart. Die vorgefundenen Bestandsdichten waren oft sehr hoch. Besonders in kleineren Gewässern mit fehlenden oder geringen Raubfischbestand sind die Bestände kleinwüchsig. In den Havelseen hat sich durch gezielte Befischungen das Wachstum der Plötze deutlich verbessert. In den Dahme-Spree Gewässern wächst die Plötze aufgrund der kontinuierlichen Befischungen sehr gut.
Die Rotfeder (Scardinius erythrophtalmus) wurde bei den durchgeführten Datenerhebungen in 77 untersuchten Ge- wässern in Berlin nachgewiesen. Die Populationsdichten sind sehr unterschiedlich. in Gewässern, in denen submers wachsende Makrophyten rückläufig sind, nimmt auch die Bestandsdichte der Rotfeder ab, z.B. in den Havelseen. In der Kuhlake dagegen hat die Anzahl der Rotfedern zugenommen, seit die Einspeisung von mechanisch gereinigtem Havelwasser dort die Wiederansiedlung von submers wachsenden Makrophyten ermöglichte.

Die friedliebende, schüchterne und vorsichtige Schleie (Tinca tinca) wird von vielen Anglern verkannt. Dabei sind Schleien großartige Kämpfer, die gar nicht so leicht an den Haken gehen. Die Schleie ist die typische Bewohnerin ruhiger, warmer und pflanzenreicher Gewässer. Altarme, Teiche und Weiher sind ihr zu Hause. Im Winter ist Schleienangeln reine Zeitverschwendung : Ab November verfallen Schleien bis Anfang März in eine Art Winterruhe. Die Schleie wurde bei den durchgeführten Datenerhebungen in 80 untersuchten Ge- wässern in Berlin nachgewiesen und ist damit in Berlin die siebenthäufigste Fischart.
Der mächtigste Gegner, auf den ein europäischer Süßwasserangler hoffen kann, macht sich in den vergangenen Jahrzehnten in Westeuropa immer mehr breit. Heute ist er in nahezu allen großen Flusssystemen heimisch: In der Donau, in Rhein, Main, Necker, in der Oder, in Loire, im Po und im Rio Ebro. Viele Angle hoffen darauf, dass die Welse möglichst viel von der Biomasse Weißfisch - die 80 % der Biomasse unserer Gewässer ausmachen- in hochwertige Sportfische umwandeln. Warum sich die Welse (Silurus glanis) in Westeuropa in den vergangenen Jahrzehnten so ausgebreitet haben, ist nach wie vor rätselhaft, aber wahrscheinlich ist die allmähliche Veränderung unserer Gewässer einer der Hauptgründe. Der Wels wurde bei den durchgeführten Datenerhebungen in 18 untersuchten Gewässern in Berlin nachgewiesen.
Mit seiner scharfkantigen Silhouette und seinem gespaltenen Maul mit über 700 Zähnen ist der Hecht (Esox lucius) hervorragend an die Lebensbedingungen eines ständig auf der Lauer liegenden Jägers angepasst. Dieser Raubfisch hat einen im ganzen recht bescheidenen Appetit, denn er konsumiert jährlich an Fischen nur die achtfache Menge seines eigenen Körpergewichts. Der Hecht gehört in Berlin zu den häufigsten Fischarten. Bei den durchgeführten Datenerhebungen wurde er in 83 Gewässern nachgewiesen. In den meisten von ihnen ist sein Vorkommen auf Besatzmaßnahmen zurückzuführen. Zu den wenigen Gewässern, in denen sich ein natürlicher Hechtbestand erhält, gehören u.a. die Kuhlake, der Butzer See und der Flughafensee.
Der Zander (Stizostedion lucioperca) kommt in Berlin relativ häufig vor und wurde bei den durchgeführten Datenerhebungen in 58 untersuchten Gewässern in Berlin nachgewiesen. Die durch den anhaltenden Eintrag von Nährstoffen hervorgerufene Eutrophierung begünstigt in vielen Gewässern die Entwicklung des Zanders, da er sich in trüben Wasser besser seiner Beute nähern kann.

Die Quappe ( Lota lota) gehörte bis ins vergangene Jahrhundert hinein in Havel und Spree zu den häufigsten Fischarten. In diesem Jahrhundert hat ihr Bestand in Berlin deutlich abgenommen. Die Quappe wurde bei den durchgeführten Datenerhebungen in 20 untersuchten Gewässern in Berlin nachgewiesen.

Der Blei(Abramis brama) gehört in Berlin zu den häufigsten Fischarten und wurde bei den durchgeführten Datenerhebungen in 88 untersuchten Gewässern in Berlin nach- gewiesen. Die mit dem Ausbau von Havel und Spree einher- gehenden Veränderungen der Gewässercharakteristik begünstigt die Vermehrung des Bleis. Aufgrund der Stauhaltung müssen Havel und Spree, die ursprünglich in Berlin zur Barbenregion gehörten, heute der Bleiregion zugeordnet werden, d.h. der Blei ist jetzt der Leitfisch beider Flusssysteme.

Die Güster (Blicca bjoerkna) wurde bei den durchgeführten Datenerhebungen in 73 untersuchten Gewässern in Berlin nachgewiesen. Sie besiedelt damit deutlich weniger Gewässer als der Blei. In Gewässern, in denen beide Arten vorkommen, dominiert in der Regel der Blei. In der Havel gehört die Güster zu den Fischarten, die sich aufgrund der veränderten Gewässercharakteristik stark vermehrten.

Der Kaulbarsch (Gymnocephalus cernua) wurde in 59 Gewässern in Berlin nachgewiesen. Trotz der hohen Abundanz dieser Art in Berliner Gewässern sind die Bestände rückläufig. Während er in den großen Gewässern häufig ist, erscheinen seine Bestände in kleineren Gewässern bedroht.

Die Karausche (Carassius carassius) wurde bei den durchgeführten Datenerhebungen in 84 untersuchten Ge- wässern in Berlin nachgewiesen. Ihr Anpassungsvermögen ermöglicht auch das Überleben in Gewässern mit hohem Nähr- und Schadstoffkonzentrationen, wie Rieselfeldergräben, Regenrückhaltebecken und Pfuhle. Da in diesen meistens natürliche Fressfeinde fehlen, neigen die Bestände zur Zwergwüchsigkeit.

Die Ukelei (Alburnus alburnus) wurde bei den durchgeführten Datenerhebungen in 60 untersuchten Ge- wässern in Berlin nachgewiesen. Obwohl überall in hohen Abundanzen vorhanden, sind zum Teil rückläufige Bestandsentwicklungen zu beobachten (Müggelsee, Gosener Kanal).

Die durchgeführten Datenerhebungen ergaben, dass die Regenbogenforelle (Oncorhynchus mykiss) in mindestens 17 Berlinern Gewässern vorkommt. Die Bestände sind ausschließlich auf Besatzmaßnahmen von Fischereiberechtigten oder aus Zuchtanstalten entwichene Tiere zurückzuführen. 1992 wurde die Regenbogenforelle in der Wuhle ausgesetzt. Da sich die Regenbogenforelle in Berlin nicht selbst reproduzieren kann, verschwindet sie, wenn keine weiteren Besatz- maßnahmen erfolgen, mit der Zeit von selbst.

Der Rapfen (Aspius aspius) wurde bei den durchgeführten Datenerhebungen in 33 untersuchten Gewässern in Berlin nachgewiesen. Im Kupfergraben, in der Müggelspree, im Gosener und im Oder-Spree-Kanal gehört er zu den häufigeren Fischarten. Allgemein hat der Bestand dieser Art in den letzten Jahren zugenommen. Da der Rapfen keine hohen Ansprüche an die Wasserqualität stellt und erwachsene Tiere bevorzugt im Freiwasser jagen, verwundert es nicht, dass er auch in naturfern ausgebauten Gewässern, wie z.B. dem Landwehrkanal angetroffen wurde.

Der Giebel (Carassius auratus bibelio) wurde bei den durchgeführten Datenerhebungen in 62 untersuchten Ge- wässern in Berlin nachgewiesen. Besonders häufig war er in Nährstoffreichen Gewässern, in denen es regelmäßig zu Sauerstoffdefiziten kommt (Rieselfeldergräben, Pfuhle und Teiche). Aufgrund seiner Anpassungsfähigkeit und seines hohen Vermehrungspotentials wird er zu Nahrungskonkurrenten anderer Fischarten.

Der Barsch(Perca fluviatilis Linnaeus) gehört zu den häufigsten Fischarten in Berlin und wurde bei den durchgeführten Datenerhebungen in 99 untersuchten Gewässern in Berlin nachgewiesen. Von Pfuhlen abgesehen besiedelt er hier alle Gewässertypen. In einigen Gewässern erreicht er sogar so hohe Bestandsdichten, dass sich sein Vorkommen dort durch den Fraßdruck auf die Brut anderer Fischarten negativ auswirkt. In Berlin wurde der Barsch als begehrter Speise- und Angelfisch von Fischereiberechtigten in zahlreiche Gewässer eingesetzt.
   

Quelle : Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltschutz "Fische in Berlin" 1993